Hundehaltung und Hundeverhalten

Wieviel Bewegung braucht ein Hund

Collie beim Agility
Hütehunde lieben rasante Hundesportarten, Foto: © SheltieBoy / GNU

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Ein müder Hund ist ein glücklicher Hund. Denn jeder Hund – ob klein oder groß – braucht ein körperliches Ventil, um überschüssige Energien abzubauen und fit und gesund zu bleiben. Regelmäßige Beschäftigung und Bewegung ist nicht nur für die Gesundheit und Fitness eines Hundes wichtig. Sie kann auch helfen, unerwünschte Verhaltensweisen, die sich ein Hund - aus Langeweile, Ängstlichkeit oder fortwährender Unterforderung - angeeignet hat, abzubauen.

Wie intensiv das Beschäftigungs- und Bewegungsprogramm auszusehen hat, ist von Hund zu Hund verschieden. Jeder Vierbeiner hat seine eigenen, individuellen Bedürfnisse, die abhängig von Alter oder Gesundheitszustand variieren können. Auch Umwelteinflüsse – wie extreme Wetterbedingungen – wirken sich auf das Aktivitätslevel eines Hundes aus. Ausgehend von der Hunderasse, bzw. der Mischlings-Rasse, und den Aufgaben, für die eine Hunderasse ursprünglich gezüchtet wurde, lassen sich aber Rückschlüsse auf das Bewegungsbedürfnis eines Hundes ziehen. Wobei natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen, denn jeder Hund hat seine eigene Persönlichkeit.

Hütehunde, Treibhunde und Gebrauchshunde

Zu dieser Gruppe zählen bekannte Vertreter wie der Border Collie, der Schäferhund oder der Dobermann. Diese Hunde haben einen hohen Bewegungsdrang und brauchen täglich ein bis zwei Stunden intensive Beschäftigung und Bewegung, mitunter auch mehr. Als typische Arbeitshunde wollen sie auch geistig gefordert sein. Stundenlanges Stöckchen-Werfen kann diesen lernwilligen Hunden rasch langweilig werden. Ein guter Mix aus  abwechslungsreicher körperlicher und geistiger Beschäftigung ist gefragt, damit das Training für Hund und Halter spannend und interessant bleibt. Für die notwendige Abwechslung und den körperlichen Ausgleich bieten sich viele hundesportliche Aktivitäten an, wie Agility, Dogdance, Dummyarbeit, Fährten- oder Mantrailing.

Terrier

Terrier – ob kleiner Yorkie oder großer Airedale – sind überaus charismatische aber auch sehr lebhafte, aktive und temperamentvolle Hunde. Auch sie haben zumeist ein großes Bewegungsbedürfnis. Allerdings kann dieses – zumindest bei den kleineren Vertretern dieser Hundegruppe - auch auf geringerem Raum gestillt werden. In einem eingezäunten Hundepark kann sich auch ein Winzling noch gut austoben. Dennoch darf der Bewegungsdrang der kleinen Temperamentsbolzen nicht unterschätzt werden. Eine Stunde täglich intensiver Auslauf gilt als Minimum. Die lernfreudigen, intelligenten Terrier können sich auch gut für hundesportliche Aktivitäten begeistern.

Jagdhunde, Laufhunde und Windhunde

Alle Jagdhunde – ob Spürhunde, Laufhunde oder Windhunde – brauchen intensive Beschäftigung und Bewegung. Die Nasenarbeiter unter ihnen – wie Beagle, Bracke und Vorstehhunde – brauchen täglich ein bis zwei Stunden Beschäftigung und Bewegung – und lieben alle Spür- und Sucharbeiten. Windhunde hingegen jagen auf Sicht und bauen ihre Energie bei kurzen, aber intensiven Sprints ab. Gibt man ihnen die Gelegenheit, sich bei einigen Sprints pro Woche auszutoben, sind sie ruhige, ausgeglichene Hausgenossen.

Zwerghunde und kurzköpfige (brachycephale) Rassen

Kleine Schoßhündchen, wie Zwergpudel, Chihuahua oder Malteser, wurden nie zu jagdlichen Aufgaben gezüchtet. Sie sind Gesellschaftshunde und brauchen als solche keine sportlichen Herausforderungen. Ein gesundes Maß an täglicher Bewegung muss dennoch sein, sonst können sie zu Übergewicht neigen. Aufgrund ihrer kompakten Größe, ist das tägliche, spielerische Training aber auch auf kleinem Raum möglich.

Auch brachycephale Rassen, das sind Hunde mit sehr kurzem Kopf und verkürzter Schnauze, sind nicht für stundenlanges Ausdauertraining geschaffen. Zu ihnen zählen etwa der Mops und die Bulldogge. Ihr zerknautschtes, faltiges Gesicht mag zwar auf manche unwiderstehlich wirken, bei körperlicher Anstrengung kann diese anatomische Besonderheit aber Atembeschwerden hervorrufen und zu Überhitzung oder Sauerstoffmangel führen.

Umwelteinflüsse und Wetterbedingungen

Das Wetter und die äußeren Einflüsse sind nicht nur bei kurzköpfigen Hunden ein wichtiger Faktor, wenn es um die tägliche Bewegung geht. Praktisch jeder Hund kann bei extremen Wetterbedingungen einen Hitzeschock oder Erfrierungen erleiden. Im Winter sollten die Pfoten auch nach jedem Spaziergang gründlich mit lauwarmen Wasser von Eisklümpchen und Salzresten befreit werden. Gehen die Temperaturen in den Keller, kann bei Hunden mit dünnem, einfachem Fell oder älteren Tieren ein Hundemantel vor Wärmeverlust schützen. Auch große Hitze kann dem Kreislauf und den Hundepfoten auf heißem Asphalt oder Strand stark zusetzen. Bei großer Hitze oder Kälte sollte man auch immer für ausreichende Hydrierung sorgen und bei Outdoor-Aktivitäten immer genug Wasser – z.B. in einer Reise-Wasserschüssel – dabei haben.

Bewegungs- und Beschäftigungstipps

Für die körperliche Fitness gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, einen Hund artgerecht und spielerisch auf Trab zu halten. Am einfachsten sind Apportierspiele: Fast alle Hunde lieben sie und man selbst muss sich kaum verausgaben. Viele Hunde sind auch ideale Begleiter bei Wanderungen, Joggingtouren, Rad- oder Reitausflügen. Darüber hinaus gibt es ein breites Angebot an hundesportlichen Aktivitäten – wie Agility, Mantrailing, Dummytraining, Dog Dancing, Flyball oder Discdogging – wo Hund und Halter im Team aktiv sind und sich gemeinsam neuen sportlichen Herausforderungen stellen.

Hunde wollen auch mental gefordert werden. Eine schwierige Aufgabe zu lösen kann machmal so anstrengend sein, wie ein langer Fußmarsch. Manche Hunde lieben z.B. Futterspielzeug oder Intelligenzspielzeug. Dieses Spielzeug ist so geformt, dass es Leckerlis nur dann ausgibt, wenn es in eine bestimmte Position gebracht wird oder wenn Spielklötzchen richtig angeordnet werden. Alle Nasenarbeiter kann man auch mit Versteck- und Suchspielen - sowohl Indoor als auch Outdoor - herausfordern. Vielen Hunden macht auch das Erlernen von einfachen Tricks (Trick-Dogging) großen Spaß. Und bei allen hundesportlichen Aktivitäten kommt auch die geistige Herausforderung nicht zu kurz.

Kurzum: Regelmäßige Bewegung und regelmäßiges Training halten einen Hund körperlich und geistig fit. Ist das Bewegungs- und Trainingsprogramm auf die individuellen Bedürfnisse des Hundes abgestimmt, dann ist der beste Freund des Menschen auch ein ausgeglichener, entspannter und unproblematischer Hausgenosse.

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